Historisches zur Chlaus-Tradition

Im folgenden erhältst du einen historischen Überblick zum “Chlausen” und die Klausengesellschaft Kreuzlingen.

Wie es zum Brauch des “Chlausens“ gekommen ist.
Wie es zur Gründung der Klausengesellschaft Kreuzlingen gekommen ist.
Ehrenamtliche Tätigkeiten
Wie es zum Brauch des “Chlausens“ gekommen ist.

Auszug aus der “Schrift zur Klausengesellschaft Kreuzlingen”.

Nikolaus von Myra

“Es ist angebracht, zu Beginn dieser Schrift der Klausengesellschaft Kreuzlingen, zuerst dem Ursprung dieses Brauchtums nachzugehen. Deshalb wollen wir uns die Geschichte ein wenig zu Gemüte führen und uns an jene Gestalt erinnern, die dem 6.Dezember den Namen gegeben hat, dem Sankt Nikolaus. Vor nahezu 1700 Jahren lebte in Kleinasien im Dorfe “Patara” ein Einwohner mit dem schönen Namen Nikolaus. Seine Eltern waren vornehme, reiche und sehr angesehene Leute. Nikolaus selber wurde geschult, was zu jener Zeit keine  Selbstverständlichkeit war. Es wird berichtet, dass dieser Nikolaus sehr gescheit und fleissig gewesen sei, ja, er sei sogar einer der Besten in der Schule gewesen. All das sei ihm aber nicht in den Kopf gestiegen er wurde nicht hochmütig und stolz, im Gegenteil, er blieb bescheiden, hilfsbereit und kameradschaftlich.

Daraus sind bereits die Charakterzüge von Nikolaus ersichtlich. Es kamen dann böse Zeiten, die Pest brach aus und wütete verheerend, so dass in der Folge hunderte von Personen starben, darunter auch seine Eltern. 20-jährig stand Nikolaus ganz allein auf der Welt ohne Geschwister und Angehörige. Er erbte das grosse Vermögen seiner Eltern, verschleuderte und verprasste es aber nicht, sondern verschenkte es an arme und kranke Menschen und half ihnen auf diese Art.

Nikolaus wandte sich schon bald dem geistlichen Beruf zu. Er machte Pilgerfahrten ins ‘Heilige Land”. Bei einer solchen Fahrt, während sich Nikolaus mit vielen anderen Pilgern auf einem  Schiff befand, brach ein fürchterlicher Sturm aus. Alle glaubten, das Schiff würde sinken und die Pilger, ausser Nikolaus, fürchteten sich vor dem Ertrinken. Da Nikolaus so ruhig blieb, baten die anderen ihn um Hilfe. Voller Ruhe und Gottvertrauen betete Nikolaus zu Gott und tatsächlich, schon bald darauf legte sich der Sturm und alle waren gerettet und erreichten unversehrt das Land. Seither gilt Nikolaus als Schutzpatron aller Fischer und Schiffer.

In Myra, einer Stadt in Klein-Asien, wurde Nikolaus zum Bischof ernannt. Darum der Bischof mit dem Stab am Nikolaustag. Als Bischof hat er viel Gutes getan und ist speziell den Armen mit Rat und Tat beigestanden. Einmal vernahm Nikolaus, dass ein Graf, dem grosses Unglück widerfahren war, immer mehr in Schulden kam und verarmte. Er wollte sogar seine drei ledigen Töchter als Sklavinnen verkaufen. Dies veranlasste Nikolaus, jeder Tochter zur Nachtzeit einen Goldklumpen vors Fenster zu legen, um sie vor der Sklaverei zu bewahren. Nikolaus konnte aber auch streng sein, wenn es nicht mit rechten Dingen zu ging. Ein geldgieriger Statthalter hatte einst ein paar reiche Kaufleute zum Tode verurteilt, nicht weil sie etwas verbrochen hatten, nein, der Statthalter wollte nur zu ihrem Geld kommen. Bereits standen die Kaufleute auf dem Richtplatz und der Scharfrichter stand mit dem Schwert in der Hand bereit, um sie zu enthaupten. Zur rechten Zeit erschien Nikolaus auf der Richtstätte, machte dem Statthalter Vorwürfe und erreichte so, dass die Kaufleute freikamen. So könnte man noch vieles über Nikolaus erzählen. Er starb im Alter von 65 Jahren an einem 6. Dezember und deshalb feiern wir noch heute sein Andenken an diesem Tag.”

Wie es zur Gründung der Klausengesellschaft Kreuzlingen gekommen ist.

Aus der Festschrift zum 60-Jahr-Jubiläum, Autor Peter Trösch

“In Kreuzlingen, mit seinen Aussenquartieren Emmishofen und Kurzrickenbach, hatte die Klauserei einen wilden Charakter angenommen und stand nie im Zeichen des Vorbildes von St. Nikolaus. In Pelerinen verkleidet, das Gesicht vermummt mit einem umgehängten Waschlappen als Bart, leisteten sich vor allem jüngere Burschen üble Scherze mit kleineren Kindern. Diese wurden erschreckt, mit Ruten geschlagen oder auch in mitgebrachte Säcke gesteckt und ausser Haus gebracht. Das schien des Bösen nun doch zu viel für einige Mitglieder des Appenzellervereins und als Werner Zuberbühler während der Kriegsjahre in der Rosenstadt Rapperswil seinen Militärdienst absolvierte, sah er etwas, dass ihm grossen Eindruck machte. Dort bestand schon seit längerer Zeit eine Organisation unter dem Namen Etzelkläuse. Einheitlich gekleidet, sauber im Auftreten und stets dem Vorsatz verpflichtet, arme Kinder zu beschenken. Mit dieser Idee kam er in den Urlaub nach Kreuzlingen zurück und fand denn auch gleich Sympathisanten, die diese Idee in die Tat umsetzten. Leider kennen wir nur noch wenige dieser Gründungsmitglieder, allen voran Werner Zuberbühler, der anlässlich der GV 1981 als einzig noch lebendes Mitglied geehrt werden konnte. Ihm zur Seite standen der erste Präsident Jakob Frehner, Zugführer, Jakob Martin, Briefträger als Kassier und Materialverwalter und A. Debrunner, Lehrer, der die ersten Zeitungsartikel schrieb. Es tauchten in der Anfangszeit der Klausengesellschaft Namen auf wie: Otto Tobler, Richard Wachter, Willy Tobler, die Lehrer Eberle, Moll, Stahl, Holtz, Grenzwächter, wie Alex Schneider, Fritz Brand und Wefel. Es ist wegen fehlender Unterlagen leider nicht ersichtlich, wer nun ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehörte.

Im Stillen wurden die Vorbereitungen für den ersten Auftritt getroffen, der mit 7 Kläusen und einem Bischof erfolgte. Kleider wurden genäht, Ruten gebunden und ähnliches mehr. Der entscheidende Schritt war also getan und wenn die Klausengesellschaft im Gründungsjahr 1942 noch mehr oder weniger als Untersektion des Appenzellervereins auftrat, so wollen wir doch an diesem denkwürdigen Datum festhalten.”

Auszüge aus einer Tageszeitung, im Herbst 1942

“Kreuzlingen. Klausabend. Der schöne Brauch des «Samichlauses» ist in unserer Gemeinde langsam am Aussterben. Ein hiesiger Verein möchte diesen nun wieder neu beleben. Er gedenkt am 6. Dezember, wie es auch an anderen Orten der Brauch ist, eine Anzahl «Samichläuse» kommen zu lassen. Diese werden bei Einbruch der Dämmerung bei der Kirche Bernrain nach ihrer langen Wanderung von einem Wagen aufgenommen werden und durch die Hauptstrasse nach dem Löwenplatz geführt, wo sie um ca. 17.30 Uhr eintreffen werden. Von dort aus werden sie dann ihre Besuche aufnehmen. Eltern, die einen solchen Besuch wünschen, sollen dies bitte dem Schtrumpfhaus Weber, Hauptstrasse, melden, wo man sich auch über die Kosten erkundigen kann. Selbstverständlich sollen auch Kinder von Eltern, die nicht in der Lage sind, hierfür etwas zu bezahlen, besucht werden und eventuell die «Chlausgabe» erhalten.  Der durchführende Verein nimmt dafür gerne Gaben entgegen, die ebenfalls im Schtrumpfhaus Weber abgegeben werden können. Es ist selbstverständlich, dass «Chlauskomitee» und «Samichläuse» ganz e h r e n a m t l i c h funktionieren, sodass die Gaben den Kindern weniger begüterter Eltern zugutekommen. Von den grösseren Kindern wird erwartet, dass sie die «Samichläuse» nicht belästigen oder sogar ihre Kleider beschädigen. Die «Samichläuse» werden ihrerseits nicht dulden, dass kleine Kinder nach 19.00 Uhr noch allein auf der Strasse sind, sonst würden sie dieselben mitnehmen. 

Klausabend. Für die vom Kriege betroffenen Auslandkinder wurde bereits viel getan. Nun soll aber auch einmal an unsere eigenen Kinder und vor allem an diejenigen gedacht werden, die die Härte der Zeit heute ebenfalls zu spüren bekommen.

Aus diesem Grunde haben sich einige Herren, die Mühe und Arbeit nicht scheuten, zusammengetan und ein Klauskomitee gebildet, um der hiesigen bedürftigen Jugend einen «Chlausabend» zu bieten. An anderen Orten werden diese Klausabende bereits seit Jahren mit grossem Erfolg durchgeführt und die Bestrebungen durch die Herren Lehrer tatkräftig unterstützt.

Da dieser Abend nicht mit gewöhnlichem «Klausen» verwechselt werden soll, sei hiermit bekannt gegeben, dass alle Volksklassen von den Kläusen berücksichtigt werden, der verrückten Zeit wegen, je nach Eingang der Anmeldungen, und sich somit sämtliche Kinder am Klausabend erfreuen dürfen.

In erster Linie sollen die wirklich Minderbemittelten (es werden Informationen eingezogen) gratis bedacht werden. Alle diejenigen, die in der Lage sind, ein paar Franken zu bezahlen, sind herzlich darum gebeten, Besserbemittelte sind ersucht, ihre Klaussäckli zu richten und vom Klauskomitee die nötigen Instruktionen entgegenzunehmen.

Da das Ganze für die Kinder, welche leider die Schwere der Zeit schon so früh kennen lernen, gedacht ist, bitten wir Freunde und Gönner derselben, etwas zur Bereicherung der Säckli beizutragen, sei es in Form von Bargeld oder Naturalgaben. Sehr erwünscht sind Nüsse, Dörrobst, Obst, Brot, Kakao oder Textilmarken, letzteres weil die Rationierung das Einkaufen sehr erschwert. Die Spender sind gebeten, bei der Abgabe ihre Adresse zu vermerken. Allen Gebern sei an dieser Stelle für ihr verständnisvolles Entgegenkommen verbindlichst gedankt.

Gleichzeitig sei noch darauf hingewiesen, dass diese Organisation voraussichtlich nächstes Jahr noch weiter ausgebaut werden wird, und können sich bereitwillige Helfer heute schon beim Komitee melden.

Entgegennahme der Spenden, sowie jede weitere Auskunft wird gerne erteilt durch das Schtrumpfhaus Weber, Hauptstrasse, oder W. Zuberbühler-Neuweiler, Sonnenstrasse 19, Kreuzlingen.
Das Klauskomitee.”

Ehrenamtliche Tätigkeiten

An dieser Stelle sei allen aktiven Mitgliedern der Klausengesellschaft wieder einmal herzlich dafür gedankt, dass sie jedes Jahr ehrenamtlich vier oder mehr Tage auf sich nehmen, um den schönen Brauch des „Chlausens” weiter zu pflegen.

Die Klausengesellschaft ist aus dem vorweihnachtlichen Kreuzlingen nicht mehr wegzudenken und manches kleines, wie grosses „Kind”, erhält bei unseren Besuchen Tränen vor Rührung. – Dass die Zeit der strengen und polternden Chläuse vorbei ist, haben die Kreuzlinger Chläuse schon längst bewiesen und gelten als einfühlsam, gütig aber auch ermahnend.

Wir sind dringend darauf angewiesen, dass wir weiterhin von den Behörden unserer Stadt, der Industrie, dem Gewerbe und Handel und nicht zuletzt von Privatpersonen materiell und finanziell unterstützt werden, um weiterhin diesen schönen Brauch weiterführen zu können. Vielen Dank!

Seit der Gründung im Jahr 1942 haben folgende Personen die Klausengesellschaft präsidiert:

Jakob Frehner
Max Bosch
Josef Christen
Josef Zecchinel
Josef Möckel
Wolfgang Rutishauser
Thomas Bitschnau

1942 – 1966
1966 – 1970
1970 – 1986
1986 – 2006
2006 – 2014
2014 – 2018
2018 – heute

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